K.H. Wagner


„Einsamkeit führt zu subjektiver Kunst“ formulierten 1962 die Mitglieder von gruppo enne in ihrem ersten programmatischem Manifest. Die Mystifizierung des künstlerischen Genies wurde durch multiple Autorenschaften etwa von Gruppen wie SPUR oder Art & Language konterkariert. Die Künstler suchten die überindividuelle Idee und Kreativität durch gegenseitige Inspiration und Diskussion ins Feld zu führen. Die seit 1993 unter dem lapidaren Namen K.H. Wagner auftretende Künstlergruppe stellt eine eigene Position als Künstlerpaar dar. In der Aneignung genuiner Prinzipien von Künstlergruppen arbeiten beide Künstler in grundsätzlicher Gleichberechtigung und wechselseitiger Einflussnahme sowie herrschaftsfreier Diskussion. Die Arbeit in der Gruppe stellt für K.H.Wagner eine effiziente Arbeitsform dar, wobei der Name dazu dient, eine neutrale Wahrnehmungsebene zu erzeugen und den Blick auf das Werk an sich freizugeben.

Die Anfang der Neunziger entstandene intellektuelle Diskussion über das eingetretene Ende von Philosophie, Geschichte und Kunst, vorangetrieben durch den französischen Philosophen Jean Baudrillard, gewann im gesellschaftlichem Bewusstsein allmählich an Raum. K.H. Wagner stand damals am Beginn der künstlerischen Arbeit, deren Ziele sich durch diese Erfahrung zu formulieren begannen - Was können Grundlagen einer Zukunft nach dem Ende sein? Im 1993 verfassten New Yorker Manifest, dem ersten Versuch einer gültigen Positionsbestimmung von K.H.Wagner, heißt es: „Die heutige Realität erscheint kompliziert, die Verhältnisse haben an Festigkeit verloren. [...] Im Zentrum unserer Kunst steht die Reflexion über die Kultur und Gesellschaft [...] zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Wir verstehen unter Kultur die Instanz, die Aussagen trifft über die Qualität sowohl der Beziehung des Menschen zum Menschen und zu anderen Teilen der Realität, als auch über materielle und geistige Bereiche an sich.“ Das Ziel ihrer Arbeit ist es, jenseits aller Tagespolitik ökonomische, soziale oder auch ökologische Strukturen als Grundlagen für Zukunft sichtbar zu machen und Möglichkeiten der Variation zu erörtern. Das künstlerische Werk K.H. Wagners besteht in Erkenntnisgewinn und –sicherung und bedient sich daher genuin auch der Wortsprache ganz im Sinne ihres Lehrers Joseph Kosuth. K.H. Wagner arbeitet konsequent und stringent inhaltlich und die selbst geschaffenen Rahmenbedingungen stellen zusammen mit den von ihnen durchgeführten Projekten ein ausgeklügeltes System vernetzter künstlerischer Ideen dar, erweitern damit etablierte Kunstformen.

K.H. Wagner kann zu jenem Kreis von Künstlern gezählt werden, die nur noch bedingt einen objektbezogenen Werkbegriff verfolgen, sondern unter Inanspruchnahme der vielfältigsten künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten einen reflexiven Diskurs anstreben. Eine Kunst., bei der die immaterielle Idee primärer Bestandteil des Werkes ist, wird durch eine künstlerische Arbeit in einer Gruppe am authentischsten verbürgt. Aufbauend auf dem von Kosuth vertretenen Prinzip der Investigation erweitern K.H.Wagner den Gegenstand der Analyse über die Bedingungen der Kunst hinaus hin zu einer Bündelung der Fachbereiche unter dem Gesichtspunkt der Zukunftsgestaltung.